Samstag, 21 Okt 2017
Information für die Medien 01/09

Information für die Medien 01/09

Verein zur Förderung der Investmentidee in Deutschland e.V.
Sankt Augustin, 10. Februar 2009

Der Verein zur Förderung der Investmentidee e.V. (FVI) zeigt sich aktuell besorgt über den Zustand der Fondsindustrie und der zugrunde liegenden Investmentidee. Ärzte würden eine „angeschlagene Verfassung“ konstatieren. Bleibt zu hoffen, dass der Ansehensverlust der letzten Monate in der Zukunft nicht in einer ausgewachsenen Vertrauenskrise mündet. Die der Branche verbundenen Akteure können zwar die Märkte, vor deren Hintergrund sie sich bewegen, nicht verändern, wohl aber ihr eigenes Handeln überprüfen, den Buchstaben bestehender Gesetze entsprechen und den von ihnen selbst geweckten Erwartungen hinsichtlich Anstand und Transparenz gerecht werden. Andernfalls droht das Vertrauen in die Investmentidee, Grundlage der Vermögensbildung breiter Bevölkerungsschichten, ernsthaften Schaden zu nehmen.

Wie ernst die Lage ist, zeigt nicht zuletzt der bisher ungeklärte Fall „Madoff“, der bezüglich zweier in Luxemburg domizilierter offener Publikumsfonds das Vertrauen in die Gewaltenteilung zwischen Kapitalanlagegesellschaft und Depotbank eklatant belastet. Die Klärung dieser Angelegenheit durch Depotbank, KAG und Aufsicht duldet keinen Aufschub, soll weiterer Imageschaden für die direkt und indirekt betroffenen Häuser, den Finanzplatz Luxemburg und die Investmentidee abgewendet werden. Dabei mutet der Vorfall als solcher und das Verhalten der Akteure umso zynischer an, als sich die Investmentindustrie nach dem Fall von Lehmann Brothers mit begründetem Verweis auf den Status ihrer „Sondervermögen“ von den Zertifikaten abzugrenzen wusste. In punkto Sicherheit und Transparenz ist derzeit eines der wichtigsten Argumente für die Fondsidee in seiner Glaubwürdigkeit erheblich beeinträchtigt.

Aber auch andere für die Fondsidee angeführte Gründe, wie beispielsweise die Verfügbarkeit offener Publikumsfonds, sind aktuell zu hinterfragen. In Zeiten, in denen zahlreiche Fonds (gleich ob Immobilien-, ABS- oder geldmarktnahe Fonds) die Rücknahme ihrer Anteile ausgesetzt haben, fällt es Verfechtern von Investmentfonds zunehmend schwieriger, berechtigten Einwänden in punkto „Verfügbarkeit“ zu begegnen. Diese Entwicklung ist gerade deshalb von besonderer Bedeutung, als aus ihr im Anlageberatungsalltag unter Umständen Haftungsansprüche von Anlegern gegenüber ihren Instituten und Vermögensverwaltern erwachsen können.

Und als wenn diese Verunsicherung nicht schon schlimm genug wäre, steht obendrein zu befürchten, dass die Rationalisierungen, zu denen sich die Fondsindustrie angesichts deutlich eingebrochener Assets under Management gezwungen sieht, aufwändigen vertrauensbildenden Maßnahmen, die notwendig erscheinen, entgegenstehen. Mit anderen Worten: Ohne entsprechende Budgets für Personal und Marketing dürfte es schwer fallen, die Aufklärung der breiten Öffentlichkeit voranzutreiben.

2009 wird es darauf ankommen, verlorenes Vertrauen in die Investmentfondsidee zurück zu gewinnen und zu beweisen, dass das Funktionsprinzip von Fonds als standardisiertes Massenprodukt für den Wertpapierhandel und die Kapitalanlage von besonderer Bedeutung und intakt ist. Der Weg zum Ziel führt über vertrauensbildende Maßnahmen, einfachere und verständliche Produkte, vorausschauendes Handeln der Produktgeber, eine individuellere Beratung der Anleger und ein Verständnis für die Tatsache, dass die Investmentfondsidee ein Allgemeingut der gesamten Branche ist, die von ihr lebt. Das sollte sich jeder vor Augen führen, der ihm zu wider handelt.

Der Vorstand