Sonntag, 24 Sep 2017
Riester-Rente und Vererbung
Geschrieben von: FVI-Redaktion   
Montag, den 22. Juni 2009 um 12:56 Uhr

In dieser und der nächsten Ausgabe soll auf Besonderheiten bei der Riester-Rente hingewiesen werden, deren Unkenntnis hierüber in der Praxis - auch von Beraterseite - oftmals zu dem voreiligen Schluss führen können, die Riester-Rente lohne sich nicht. Es handelt sich hierbei um die Themen "Vererbung" und "Ausland". In der Ihnen heute vorliegenden Ausgabe wird das Thema "Riester-Rente und Vererbung" behandelt.

Es mag sich ja zunächst ein wenig makaber anhören: Der Tod des Riester-Sparers hat gesetzestechnisch grundsätzlich eine sogenannte "schädliche Verwendung" zur Folge. Das bedeutet, dass die gewährte Förderung (Zulagen und gegebenenfalls Steuervorteil durch den zusätzlichen Sonderausgabenabzug) zurückgezahlt werden müssen. Der Grund dieser Regelung ist aber vom Sinn und Zweck der Riester-Förderung her einleuchtend; denn die Riester-Rente dient in erster Linie der lebenslangen Versorgung des Riester-Sparers mit einer Geldleistung und eben nicht der Vermögensansammlung zwecks Vererbung. Diese lebenslange Leistung hat zum Zeitpunkt des Todes ihren eigentlichen Zweck erfüllt. Diese Grundregel darf aber nicht zu dem falschen Schluss führen, die Riester-Rente sei nicht vererbbar. Denn erstens gibt es eine Ausnahme von der schädlichen Verwendung für den überlebenden Ehegatten - hier ist sogar eine förderunschädliche Vererbung möglich - und zweitens hängt eine etwaige Vererbbarkeit vom gewählten Riester-Produkt ab.

 

Im Einzelnen

Bei der Riester-Rente ist im Todesfall zwischen dem angesparten Kapital, der staatlichen Förderung und dem Riester-Produkt zu unterscheiden.

Das in Banksparplänen und Fondssparplänen angesparte Kapital kann bis zu Beginn der sogenannten Restverrentungsphase (ab Vollendung des 85. Lebensjahres) vererbt werden. Allerdings muss die staatliche Förderung grundsätzlich zurückgezahlt werden (Ausnahme bei Ehegatten s.u.). Der Erbe des Riester-Sparers steht somit nicht schlechter da, als wenn ungefördert gespart worden wäre. Die Restverrentungsphase ist auch bei Bank- und Fondssparplänen zwingend in Form einer Rentenversicherung vorgesehen. Eine Vererbung ist deshalb in dieser Phase nicht mehr möglich.

Bei der privaten Rentenversicherung hängt die Situation im Todesfall von der Vertragsgestaltung ab:

  • Es kann eine Rentengarantiezeit vereinbart werden, in der die Rente mindestens zu bezahlen ist. Stirbt der Versicherte vorher, erhält der Berechtigte (z. B. der Ehegatte) die Rente bis zum Ende der Garantiezeit weiterbezahlt. Ist keine Garantiezeit vereinbart oder stirbt der Versicherte nach deren Ablauf, erhalten die Erben keine Leistung.
  • Es kann auch vereinbart werden, dass im Fall eines Versterbens in der Ansparphase die gezahlten Beiträge und überschüsse an die Erben gehen.
  • Für Ehegatten und Kinder kann eine Hinterbliebenenrente vereinbart werden.
  •  

    Bei Tod des Riester-Sparers ohne zusätzliche Vereinbarung oder nach Ablauf einer etwaigen Rentengarantiezeit gehen die Erben leer aus; das Vermögen fällt in diesen Fällen der sogenannten Versichertengemeinschaft zu. Um diesen Nachteil auszugleichen bieten nun einige Versicherer Rentengarantiezeiten von 20 Jahren an. Wählt der Riester-Sparer in solchen Fällen einen Beginn der Auszahlungsphase mit 65, so reicht die Garantiezeit bis 85 und gleicht auf den ersten Blick den diesbezüglichen Nachteil gegenüber Bank- und Fondssparplänen aus. Allerdings geht die lange Garantiezeit zu Lasten der monatlichen Rente; denn je länger die Garantiezeit vereinbart wird, umso niedriger fällt die zugesagte Rente aus.

    Letztendlich kann und soll jeder Riester-Sparer die Vertragsgestaltungen wählen, die seinen individuellen Bedürfnissen entsprechen und gezielt das für ihn und seine Familie beste Produkt aussuchen.

    Bei Ehegatten bleibt die Förderung erhalten, wenn das ererbte Altersvermögen auf einen auf den Namen des Ehegatten lautenden zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen wird. Der Vertrag kann auch erst zum Zweck der übertragung abgeschlossen werden. Wenn ein Anbieter einen solchen Vertrag nicht anbietet, steht es dem Ehegatten frei, auf andere zertifizierte Produkte zurückzugreifen. Das Problem lässt sich aber dadurch vermeiden, dass beide Ehegatten rechtzeitig eigene Verträge abschließen.

    Bei anderen Erben wird die Steuerbefreiung auf die eingezahlten Einlagen rückgängig gemacht. Im Falle des Todes fließt der um die steuerlichen Vergünstigungen (ganz oder teilweise) verminderte Kapitalbetrag den Erben zu. Fällt der Tod in die Auszahlungsphase, so sind die Förderbeträge, die auf die bis zum Tod ausgezahlten Beträge entfallen, nicht zurückzuzahlen. Für den danach verbleibenden (Rest-)Betrag gelten die allgemeinen steuerlichen Regelungen.

    Nachfolgend ein Überblick und Zusammenfassung der Regelungen.

    Banksparplan

    Vererbung möglich (Eigenkapital + Erträge)
    aber: ab 85. Lebensjahr (Beginn der Restverrentungsphase) keine Vererbung mehr möglich, da dann private Rentenversicherung

    Sinn und Zweck der Riester-Förderung ist eine lebenslange Altersversorgung, die mit dem Tod abgeschlossen ist:

    Vererbung = Schädliche Verwendung
    Ausnahme: überlebender Ehegatte - Übertragung auf dessen eigenen Riester-Vertrag förderunschädlich möglich

    Rechtsfolge bei schädlicher Verwendung:
    Eigenkapital - Auszahlung
    Förderung (Zulagen + Steuervorteil) - Rückzahlung
    Erträge - Auszahlung

    Fondssparplan

    Vererbung möglich (Eigenkapital + Erträge)
    aber: ab 85. Lebensjahr (Beginn der Restverrentungsphase) keine Vererbung mehr möglich, da dann private Rentenversicherung

    Sinn und Zweck der Riester-Förderung ist eine lebenslange Altersversorgung, die mit dem Tod abgeschlossen ist:

    Vererbung = Schädliche Verwendung
    Ausnahme: überlebender Ehegatte - Übertragung auf dessen eigenen Riester-Vertrag förderunschädlich möglich

    Rechtsfolge bei schädlicher Verwendung:
    Eigenkapital - Auszahlung
    Förderung (Zulagen + Steuervorteil) - Rückzahlung
    Erträge - Auszahlung

     

    Private Rentenversicherung

    Vererbung nicht möglichaber:
    Hinterbliebenenabsicherung kann vereinbart werden
    Rentengarantiezeit kann vereinbart werden

    Sinn und Zweck der Riester-Förderung ist eine lebenslange Altersversorgung, die mit dem Tod abgeschlossen ist:

    Vererbung möglich (Eigenkapital + Erträge)
    aber: ab 85. Lebensjahr (Beginn der Restverrentungsphase) keine Vererbung mehr möglich, da dann private Rentenversicherung

    Sinn und Zweck der Riester-Förderung ist eine lebenslange Altersversorgung, die mit dem Tod abgeschlossen ist:

    Vererbung = Schädliche Verwendung
    Ausnahme: überlebender Ehegatte - Übertragung auf dessen eigenen Riester-Vertrag förderunschädlich möglich

    Rechtsfolge bei schädlicher Verwendung:
    Eigenkapital - Auszahlung
    Förderung (Zulagen + Steuervorteil) - Rückzahlung
    Erträge - Auszahlung

    Forsetzung folgt im nächsten Heft.

    Der Autor:

    Heinz-Josef Nüssgens, Hennef, Dipl.-Finanzwirt

    Oberamtsrat im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Referat "Zusätzliche Altersvorsorge"

    Vorstandsmitglied im Verein zur Förderung der Investmentidee in Deutschland e.V.